👉🏼 Endogene biogene Amine
Endogene Amine wirken sich auf zellulärer Ebene auf die Synthese von Proteinen, Hormonen und Alkaloiden aus. Sie werden in vielen verschiedenen Geweben produziert und beeinflussen auch die DNA-Replikation und die Durchlässigkeit der Zellmembran. Darüber hinaus sind sie an der Regulierung der Körpertemperatur, des Blutdrucks und der Gehirnaktivität beteiligt. Weiterhin fungieren sie als Signalstoffe, wie z.B. als Hormone, Neurotransmitter, Mediatoren sowie als Bausteine von Phospholipiden und anderen Zellbestandteilen.Einerseits sind endogene biogene Amine notwendig, um die Lebensfähigkeit von Zellen und den ordnungsgemäßen Ablauf vieler Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten, andererseits können sie aber auch toxische oder karzinogene Wirkungen haben, da sie Vorläufer von karzinogenen N-Nitroverbindungen sind. Endogene Amine werden über das Blutsystem, wie z.B. Histamin aus den Mastzellen, ausgeschüttet.
Beispiele für endogene biogene Amine:
- Histamin (Gewebshormon, Neurotransmitter, Mediator)
- Noradrenalin (Neurotransmitter)
- Dopamin (Neurotransmitter)
- Tryptamin (bewirkt Kontraktion der glatten Muskulatur)
- Tyrosin (Steigerung von Blutdruck und Uteruskontraktion)
- Tryptophan (Produkt von Mikroorganismen in Darm und Niere)
Die Synthese von biogenen Aminen ist in verschiedenen Organen und Geweben in unterschiedlichem Ausmaß möglich. Die Leber ist der Hauptsyntheseort für Aminosäuren. Daher ist die Aminbildung hier besonders stark ausgeprägt. Aber auch im Nervensystem, Nebennierenmark, Blutzellen und in andere Organen und Geweben findet die Aminsynthese meist zweckgebunden statt.
👉🏼 Exogene biogene Amine
Exogene biogene Amine kommen in Lebensmitteln vor und werden direkt aus der Nahrung im Darm aufgenommen. Die biogenen Amine entwickeln sich durch bakterielle Enzymaktivitäten in dem entsprechenden Lebensmittel. Die Stärke der Enzymaktivität (und somit auch die Menge des biogenen Amins) ist dabei abhängig vom Frischegrad des Lebensmittels, von den Lagerungs- und Hygienebedingungen sowie von weiteren Einflussfaktoren. Der Amingehalt kann daher sehr stark in Lebensmitteln schwanken. Besonders betroffen sind aber fermentierte und leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Käse, Wein, Bier, Sauerkraut, Sojasoße und Hefeextrakt.Exogene biogene Amine können beim Verzehr eines stark belasteten Lebensmittels zu Unwohlsein und allergieähnlichen Symptomen führen. Das Ausmaß der Symptome wird dabei nicht nur von der Art des Stoffes und seiner Dosis, sondern auch von der Art der Aufnahme, der Einwirkungsdauer und der individuellen Empfindlichkeit bestimmt. Wie bei einer Histaminintoleranz auch, sind die Toleranzgrenzen demnach individuell.
Beispiele für exogene biogene Amine:
- Histamin (lang gereiften, gelagerten, fermentierten Lebensmitteln, siehe SIGHI Liste)
- Cavaderin (vor allem in Fisch)
- Putrescin (offizieller Frische-Marker für Fleischprodukte in der Lebensmittelindustrie)
- Tyramin (vor allem in verdorbenem oder fermentiertem Fisch)
- Serotonin (Bananen, Walnuss, Ananas, Avocado)
- Phenylethylamin (Schokolade)
- Tryptamin (Tomate)
Alle biogenen Amine entwickeln ähnliche Symptome wie die Beschwerden einer Histaminintoleranz. Oft ist daher gar nicht erkennbar, ob Histamin oder andere biogene Amine die Symptome ausgelöst haben. Auch sind Lebensmittel, die reich an biogenen Aminen sind, histaminreichen Lebensmitteln sehr ähnlich. Wer an Histaminintoleranz leidet, sollte deshalb immer auch auf biogene Amine achten.Praxistipp: In der SIGHI Liste sind alle grün-markierten Lebensmittel arm an Histamin und ebenso arm an anderen biogenen Aminen.Hier geht es zur Liste.