Morbus Crohn und Colitis ulcerosa im Detail
Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können Entzündungen an verschiedenen Stellen im Darm auftreten – manchmal auch außerhalb des Darms, ähnlich wie bei Allergien, die sich auf unterschiedliche Weise zeigen können.
▶️ Colitis ulcerosa
Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut, die den Dickdarm betrifft und sich kontinuierlich vom Enddarm (Rektum) aus nach oben ausbreiten kann. Je nach Ausdehnung unterscheidet man verschiedene Formen:Proktitis – Entzündung nur im Enddarm
- Proktosigmoiditis – Befall von Enddarm und unterem Dickdarm (häufigste Form bei Diagnose)
- Linksseitencolitis – Entzündung reicht bis zur linken Darmhälfte
- Pancolitis – Der gesamte Dickdarm ist betroffen
In seltenen Fällen kann auch der letzte Abschnitt des Dünndarms (terminales Ileum) entzündet sein – man spricht dann von "Backwash-Ileitis".Symptome und VerlaufColitis ulcerosa verläuft meist in Schüben: Phasen mit starken Beschwerden wechseln sich mit beschwerdefreien Zeiten (Remissionen) ab, die Monate bis Jahre dauern können. Manchmal gehen die Schübe aber auch direkt ineinander über.Typische Symptome:• Blutige oder blutig-schleimige Durchfälle (besonders bei Proktitis oft frisches Blut)• Plötzlicher, starker Stuhldrang (imperativer Stuhldrang)• Bauchschmerzen und Krämpfe (Tenesmen)• Blähungen und Druckempfindlichkeit im Bauch• Möglichkeit von Verstopfung (durch Krämpfe oder Stuhlverhalt)Schwere Verläufe gehen mit Fieber, Gewichtsverlust und starkem Krankheitsgefühl einher. In solchen Fällen können auch Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung), Elektrolytstörungen und Eiweißmangel auftreten. Besonders bei jüngeren Betroffenen kann sich die Erkrankung über den Darm hinaus zeigen – etwa durch Gelenkentzündungen, Augenprobleme oder Hautreaktionen.Mögliche Komplikationen:Bei schweren Schüben kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen:• Massive Blutungen, besonders bei ausgedehnter Entzündung• Toxisches Megakolon – Der Dickdarm weitet sich stark auf (mehr als 5-6 cm) und kann nicht mehr richtig arbeiten. Dies kann zu einem Darmverschluss (Ileus) oder sogar einer Perforation (Darmdurchbruch) führen. Symptome sind ein aufgeblähter Bauch und starke Schmerzen• Erhöhtes Darmkrebsrisiko – Je länger und großflächiger die Colitis ulcerosa besteht, desto höher das Risiko für Darmkrebs, daher sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtigVerschiedene Verlaufsformen nach Intensität:• Rezidivierend – Schübe treten immer wieder auf, aber es gibt lange beschwerdefreie Phasen• Chronisch-aktiv – Die Entzündung bleibt dauerhaft aktiv, es gibt kaum längere Remissionen• Fulminant – Ein besonders schwerer und akuter Verlauf mit starken Beschwerden und hohem Komplikationsrisiko
▶️ Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Verdauungstrakts, die sich von der Mundhöhle bis zum Enddarm erstrecken kann. Besonders typisch ist eine diskontinuierliche Entzündung, bei der gesunde und entzündete Darmabschnitte nebeneinander liegen. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben und beginnt oft schon in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Sie begleitet Betroffene lebenslang, kann aber mit zunehmendem Alter an Aktivität verlieren.Zu den ersten Anzeichen gehören Bauchschmerzen und Durchfälle. In etwa 20 Prozent der Fälle kommt es zu Darmblutungen, während bei 10 bis 40 Prozent Analfisteln auftreten, die als schmerzhafte Entzündungen im Analbereich auftreten können. Morbus Crohn kann zwar den gesamten Verdauungstrakt betreffen, tritt jedoch besonders häufig im letzten Abschnitt des Dünndarms, dem sogenannten terminalen Ileum, sowie im Dickdarm auf. Bei knapp der Hälfte der Betroffenen erstreckt sich die Entzündung sowohl auf den Dünn- als auch auf den Dickdarm.Zusätzlich zu den Darmbeschwerden können weitere Symptome außerhalb des Verdauungstrakts auftreten:• Gewichtsverlust und Fieber• Blutarmut (Anämie)• Gelenkbeschwerden• Entzündungen an Augen und HautKomplikationen und mögliche FolgenDa Morbus Crohn tief in die Darmwände eindringen kann (transmurale Entzündung), sind verschiedene Komplikationen möglich:
- Blutungen – kommen seltener vor als bei Colitis ulcerosa
- Fissuren – schmerzhafte Risse in der Darmwand
- Fisteln – entzündliche Verbindungsgänge, die sich in umliegende Organe, die Blase oder die Haut ausbreiten können. Besonders häufig entstehen perianale Fisteln (über 54 % der Fälle)
- Abszesse – Eiteransammlungen in den betroffenen Bereichen
- Strikturen (Verengungen) und Darmverschlüsse (Obstruktionen) – am häufigsten am Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm
- Seltenere Komplikationen – toxisches Megakolon, Darmdurchbrüche (Perforationen), Dickdarmkrebs oder andere tumorartige Neubildungen
Der Verlauf von Morbus Crohn ist sehr individuell und oft nicht vorhersehbar. Es gibt auch hier drei Hauptformen:
Rezidivierend (intermittierend) – Etwa 40 % der Betroffenen erleben immer wieder Schübe mit symptomfreien Phasen dazwischen
- Chronisch-aktiv – Die Entzündung bleibt dauerhaft aktiv, ohne längere Remissionsphasen
- Fulminant – Ein besonders schwerer und akuter Verlauf mit erhöhtem Risiko für Komplikationen
Zusätzlich gibt es verschiedene Unterformen der chronisch-aktiven Verlaufsform von Morbus Crohn. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen liegt ein steroidrefraktärer Verlauf vor, das bedeutet, dass trotz intensiver Kortisontherapie über mindestens sechs Monate keine Besserung eintritt. Etwa 35 Prozent der Erkrankten haben einen steroidabhängigen Verlauf, bei dem die Symptome nach einer anfänglichen Besserung sofort wieder auftreten, sobald die Kortison-Dosis reduziert wird.DiagnoseverfahrenDie Diagnose von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist nicht ganz einfach, weil viele verschiedene Faktoren berücksichtigt werden müssen. In erster Linie gilt es herauszufinden, wie die Entzündung im Darm aussieht und wie sie sich im Blut zeigt.Der wichtigste Schritt zur Diagnose ist dabei eine Endoskopie, bei der der Arzt mit einer Kamera in den Darm schaut. Dabei wird auch eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird. Dadurch kann man feststellen, ob es sich um eine akute oder chronische Entzündung handelt und ob es sich um Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa handelt. Zudem können so auch andere Erkrankungen, insbesondere Infektionen, ausgeschlossen werden. Zusätzlich werden Blut- und Stuhltests gemacht. Zum Beispiel wird nach Entzündungsmarkern wie dem C-reaktiven Protein (CRP) im Blut geschaut oder nach bestimmten Stoffen im Stuhl, die auf eine Entzündung hindeuten können. Diese Tests helfen dem Arzt zu überprüfen, ob tatsächlich eine Entzündung im Darm vorliegt. Wenn die Werte normal sind, wird auch geprüft, ob vielleicht andere Ursachen für die Beschwerden verantwortlich sind, zum Beispiel ein Reizdarm, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien. Manchmal können auch frühere Infektionen, wie eine Salmonelleninfektion, noch Auswirkungen auf den Darm haben und sollten ebenfalls in Betracht gezogen werden.Außerdem wichtig ist der Ausschluss von Infektionen, da bestimmte Keime ähnliche Symptome wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung verursachen können. Deshalb wird häufig auch der Stuhl auf mögliche Erreger untersucht.