Was ist Diabetes mellitus?
Die „Zuckerkrankheit“ ist wie bereits erwähnt ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffwechselstörungen, die mit einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel einhergehen. Doch nicht nur der Kohlenhydratstoffwechsel ist betroffen – oft gerät auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Wesentlich an den Prozessen beteiligt ist dabei das Hormon Insulin. Es reguliert den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen und wird von den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert. Bei Diabetes kann die Insulinfreisetzung gestört sein oder es kommt zu einem absoluten Insulinmangel. Zudem kann es sein, dass wichtige Organe wie das Gehirn, die Leber, die Muskulatur und das Fettgewebe nicht mehr richtig auf Insulin reagieren. Diese Insulinresistenz kann in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten und trägt ebenfalls zur Entwicklung von Diabetes bei. Man unterscheidet bei Diabetes hauptsächlich zwischen 2 verschiedenen Typen:
🔹Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Dadurch kann der Körper kein Insulin mehr herstellen. Ohne Insulin gelangt der in der Nahrung enthaltene Zucker (Glukose) nicht richtig in die Körperzellen und kann dort nicht als Energiequelle genutzt werden. Deshalb müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes ihr Leben lang Insulin spritzen – mehrmals täglich und in individuell angepassten Dosen, um den Blutzuckerspiegel möglichst stabil zu halten. Dadurch lassen sich langfristige Schäden an Nerven und Blutgefäßen verhindern oder zumindest verzögern. Typ-1-Diabetes tritt vor allem bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf und betrifft etwa 0,3 bis 0,4 % der Bevölkerung.Mögliche Symptome:• Müdigkeit/Abgeschlagenheit• Schwäche• Hunger oder Appetitlosigkeit• Plötzlicher Gewichtsverlust• Schlecht heilende Wunden• Starker Durst• Vermehrtes Wasserlassen• Infekt-Anfälligkeit• Verschwommene Sicht
🔹Typ-2-Diabetes
Besonders weit verbreitet ist der Typ-2-Diabetes – mehr als 90 % aller Betroffenen leiden darunter, weshalb er oft als „Wohlstandskrankheit“ bezeichnet wird. Dies betrifft vor allem Erwachsene ab 40 Jahren, wobei viele Menschen lange Zeit nichts von ihrer Erkrankung wissen. Schätzungen zufolge hatten in Deutschland im Jahr 2012 etwa 7,2 % der Bevölkerung einen diagnostizierten Diabetes, zusätzlich 2,1 % waren unbemerkt erkrankt. Laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts zeigt mindestens jeder fünfte Erwachsene in Deutschland auffällige Blutzuckerwerte. Das Gefährliche am Typ-2-Diabetes: Er entwickelt sich langsam und bleibt oft jahrelang unbemerkt. Anfangs gibt es kaum Beschwerden, aber der Körper merkt sich jede Überzuckerung – ein sogenanntes „Zuckergedächtnis“. Erst nach Jahren zeigen sich die Folgen, zum Beispiel Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen, insbesondere an Füßen und Unterschenkeln. Eine der gefürchteten Spätfolgen ist das „diabetische Fußsyndrom“ mit schlecht heilenden Wunden, die im schlimmsten Fall nicht mehr verheilen. Insbesondere bei Menschen mit einem hohen Risiko einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, sollte alle 2 Jahre im Rahmen des Check-up 35 ein Screening auf Diabetes erfolgen.Eine erbliche Veranlagung kann bei der Entstehung zwar eine Rolle spielen, aber sie allein führt nicht zwangsläufig zu Diabetes. Entscheidend sind vor allem der Lebensstil: Übermäßiges Essen in Kombination mit zu wenig Bewegung fördert eine Insulinresistenz – also eine nachlassende Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin. Ein Maß für die Insulinresistenz ist der sogenannte HOMA-Index, der aus den Nüchternwerten von Insulin und Glukose berechnet wird. Idealerweise sollte dieser Wert unter 2,5 liegen – bei Typ-2-Diabetikern ist er oft deutlich höher, meist über 5,0. Wer häufig stark verarbeitete Kohlenhydrate (wie Weißbrot, Süßigkeiten oder Softdrinks) zu sich nimmt, hält die Bauchspeicheldrüse ständig auf Trab. Das kann langfristig dazu führen, dass der Körper den Zucker nicht mehr effizient verarbeitet. Menschen mit Insulinresistenz haben zwar oft einen hohen Insulinspiegel im Blut, doch die Zellen nehmen den Zucker nicht mehr richtig auf.Ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel hat weitreichende Folgen - Der Körper speichert vermehrt Fett, vor allem im Bauchraum und in den Organen, was das Risiko für Übergewicht und eine Fettleber erhöht. Zudem können sich in den Blutgefäßen Ablagerungen bilden, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich steigern. Fehlende Bewegung verschärft das Problem zusätzlich, weil Muskeln normalerweise einen Großteil des Blutzuckers als Energiequelle nutzen. Wer sich wenig bewegt, gibt dem Körper keine Möglichkeit, überschüssigen Zucker abzubauen – die Insulinresistenz schreitet dann besonders schnell voran. Im schlimmsten Fall kann die Bauchspeicheldrüse irgendwann nicht mehr genug Insulin produzieren und gibt ganz auf. Dann muss Insulin von außen zugeführt werden.Häufig sind Symptome bei Menschen mit Typ-2 Diabetes viel unspezifischer oder weniger klar ausgeprägt als bei Menschen mit Typ-1-Diabetes. Dennoch gibt es Überschneidungen.Mögliche Symptome:• Durst• häufiges Wasserlassen• Harnwegsinfekte• Wachstumsstörung, Bettnässen, Gewichtsabnahme (bei Kindern)• Müdigkeit, Schwäche, Schwindel• Sehverschlechterung, wechselnde Sehstärke• trockene Haut, Juckreiz• abwechselnd Appetitlosigkeit und Hungerattacken• Potenzstörungen/Libidoverlust• psychische Veränderungen wie aggressives Verhalten• Muskelkrämpfe• Nervenerkrankungen• schlecht heilende Wunden, besonders an den Füßen• Übelkeit, BauchschmerzenDiagnose bei Typ-2-DiabetesBeim Arzt wird zunächst der Blutzucker gemessen, wobei zwischen Nüchtern- und Gelegenheitsblutzucker unterschieden wird. Ein normaler Nüchternblutzucker liegt bei maximal 100 Milligramm pro Deziliter. Werte bis 125 Milligramm pro Deziliter können auf einen Prädiabetes hindeuten, während noch höhere Werte den Verdacht auf Diabetes mellitus nahelegen. Zusätzlich wird oft ein Glukose-Toleranztest gemacht und der sogenannte Langzeit-Blutzucker bestimmt. Dabei gibt das Glyko-Hämoglobin, also der „verzuckerte“ Blutfarbstoff, Aufschluss über die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten acht bis zwölf Wochen. Wird Diabetes diagnostiziert, folgen weitere Untersuchungen, um mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören die Kontrolle des Augenhintergrunds, Blutdruckmessungen sowie Tests der Nervenfunktion, der Füße und der Nieren- und Blutfettwerte. Auch eine Urinuntersuchung gehört dazu.