Vitalpilze bei Histaminintoleranz
Die Datenlage zu Vitalpilzen bei Histaminintoleranz ist zur Zeit noch sehr dünn. Es gibt kaum Studien oder Erfahrungberichte von Betroffenen. Lediglich allgemeinere Studien zu diversen Vitalpilzen lassen darauf schließen, dass sich das ein oder andere Austesten je nach eigener Toleranzgrenze durchaus lohnen könnte. Hier zwei Beispiele:Chaga-Pilz 🍄🟫
Der Chaga-Pilz (Inonotus obliquus) wird schon länger mit einer möglichen allergielindernden Wirkung in Verbindung gebracht. Bisher wusste man aber kaum, wie genau er bei Allergien wirkt, welche Prozesse im Immunsystem er beeinflusst und welche Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sind.In einer Untersuchung wurde ein Extrakt aus dem Chaga-Pilz hergestellt, der mit 70 % Alkohol (Ethanol) gewonnen wurde. Diesen Extrakt nennt man EE. Außerdem hat man den Extrakt in zwei Teile aufgeteilt:1. DF: der Teil, der sich in Dichlormethan löst (enthält vor allem fettlösliche Stoffe)2. AF: der Teil, der sich in Wasser löstGetestet wurde das Ganze an Mäusen mit einer künstlich ausgelösten Nahrungsmittelallergie gegen Hühnereiweiß (cOVA). Die Ergebnisse waren eindeutig: Nur der komplette Ethanolextrakt (EE) und die Dichlormethan-Fraktion (DF) konnten die Allergiesymptome deutlich verringern. Diese beiden (EE und DF) hatten auch die Fähigkeit, Mastzellen zu stabilisieren. Mastzellen sind spezielle Immunzellen, die bei Allergien Histamin und andere Stoffe ausschütten und dadurch Symptome auslösen. Alle drei Proben (EE, DF und AF) konnten aber bestimmte Abwehrreaktionen des Immunsystems (die sogenannten Th2- und Th17-Reaktionen) sowie die Bildung eines speziellen Allergie-Antikörpers (cOVA-spezifisches IgE) im Dünndarm verringern. Daraus schließen die Forschenden, dass für die Wirkung gegen Allergien sind besonders die fettlöslichen Inhaltsstoffe wichtig sind, weil sie die Mastzellen hemmen. Ein besonders wichtiger Wirkstoff ist Inotodiol. Das ist ein triterpenartiger Stoff, der vor allem in der Dichlormethan-Fraktion vorkommt und sehr stark die Mastzellen stabilisiert.Reishi-Pilz 🍄🟫
Der Reishi ist ein Ständerpilz, der viele medizinisch wirksame Eigenschaften hat. In der Natur ist er sehr selten. Deshalb wird er künstlich gezüchtet – entweder auf Holzstämmen oder auf Sägespänen in Plastiktüten oder Flaschen. Es gibt auch biotechnologische Verfahren, um das Pilzgeflecht (Myzel) in speziellen Behältern (Bioreaktoren) zu vermehren. Das funktioniert sowohl auf festen Nährböden als auch in Flüssigkeiten, indem man das Pilzgewebe im flüssigen Medium wachsen lässt. Die wichtigsten medizinisch wirksamen Stoffe dieses Pilzes sind Triterpenoide und Polysaccharide. Triterpenoide können die Leber schützen, den Blutdruck senken, den Cholesterinspiegel reduzieren, allergische Reaktionen abschwächen, das Wachstum von Tumoren hemmen, die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren unterdrücken, die Verklumpung von Blutplättchen reduzieren und das Komplementsystem hemmen (ein Teil des Immunsystems). Polysaccharide – vor allem Beta-D-Glucane – sind bekannt für ihre tumorhemmende Wirkung. Sie tun dies unter anderem, indem sie das Immunsystem beeinflussen (Immunmodulation) und die Blutgefäßneubildung in Tumoren bremsen. Außerdem schützen sie vor schädlichen freien Radikalen und verringern Zellschäden, die durch erbgutschädigende Stoffe (Mutagene) entstehen.Forschende haben die entzündungshemmenden Wirkungen bestimmter Wirkstoffe aus den Pilzen untersucht. Dabei ging es um zwölf verschiedene chemische Verbindungen, die zu den Triterpenoiden oder Steroiden gehören. Diese Stoffe wurden im Labor daraufhin getestet, ob sie die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen aus verschiedenen Immunzellen – wie Mastzellen, Neutrophilen und Makrophagen – verhindern können.Zwei der getesteten Verbindungen fielen besonders auf:Verbindung 10 (3-Oxo-5α-lanosta-8,24-dien-21-oinsäure) konnte deutlich verhindern, dass Ratten-Neutrophile das Enzym β-Glucuronidase freisetzen, wenn sie mit bestimmten Reizstoffen stimuliert wurden. Außerdem bremste sie stark die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) in speziellen Gehirn-Immunzellen (Mikrogliazellen), die mit Lipopolysaccharid (LPS) und Interferon-γ angeregt worden waren.Verbindung 9 (Tsugarinsäure A) wirkte ebenfalls sehr effektiv: Sie verringerte die Bildung von Superoxid-Anionen in stimulierten Neutrophilen und konnte zudem menschliche Hautzellen (Keratinocyten) vor Schäden durch UV-B-Strahlung schützen. Das deutet darauf hin, dass sie vor lichtbedingten Hautschäden schützen kann.Diese Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Inhaltsstoffe aus diesen Pilzen mehr als nur entzündungshemmend wirken. Jedoch ist die Datenlage wie bereits erwähnt noch recht dünn, wenn es um die Verwendung von Heilpilzen bei Histaminintoleranz geht. Probieren geht hier über studieren. Achte stets auf deine eigene Toleranzgrenze.