Der Vagusnerv, der 10. Hirnnerv, ist der größte Nerv des Parasympathikus, der wiederum zum vegetativen Nervensystem gehört. Er wird auch Ruhe- und Erholungsnerv genannt, manche nennen ihn auch Selbstheilungsnerv. Er verbindet das Gehirn mit allen inneren Organen wie dem Herz, der Lunge, dem Magen und dem Darm.
Der Vagusnerv ist ganz entscheidend an der Verdauung beteiligt, das versteht man sehr gut, wenn man seinen Verlauf betrachtet. Sein Ursprung liegt im Gehirn, und er verläuft hinter den Ohren beidseitig, den Hals entlang, über den Brustbereich in den Bauchraum. Auf seinem Weg verzweigt er sich in viele Nebenäste, wodurch er auch seinen Namen erhalten hat: Vagus - der Umherschweifende.
Er reguliert u.a. die Bewegung der Speiseröhre, des Magens und des Darms. Dabei stehen Bauchorgane und Gehirn in ständigem Kontakt und Austausch. Die Darmflora spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sie ist an der Produktion hormonähnlicher Stoffe und kurzkettiger Fettsäuren beteiligt, die über die sogenannte Darm-Hirn-Achse mit dem ZNS kommunizieren. Dies geschieht über Nervenverbindungen, Hormone und Neurotransmitter. Diese Botenstoffe (z.B. Serotonin & Dopamin) werden sowohl im Gehirn als auch im Darm gebildet. Neuere Forschungen beweisen sogar, dass hier deutlich mehr Impulse vom Darm zum Gehirn laufen, als umgekehrt!
Störungen der Darm-Hirn-Achse können zu verschiedenen Erkrankungen führen, wie z.B. vielfältige Verdauungsstörungen, Hypertonie, Depressionen, Parkinson oder Alzheimer.
Der Gegenspieler des Vagusmervs, der Sympathicus, sorgt für Leistungssteigerung in Stress- und Notfallsituationen: Er versetzt den Körper in Kampf- oder Fluchtbereitschaft. Sind wir ständig unter Stress und Spannung drosselt er u.a. die Verdauungsfunktion und der Vagusnerv kann nicht mehr ausreichend dagegenhalten. Wir kommen nicht mehr zur Ruhe, können nicht mehr regenerieren.
Wir haben aber die Möglichkeit, unseren Vagusnerv selbst zu stimulieren und wieder zu aktivieren! Wir können bei regelmäßiger Anwendung verschiedener Techniken Muskelverspannungen und innere Spannungen lösen, unseren Blutdruck und die Herzfrequenz positiv beeinflussen, unseren Schlaf und die Verdauung verbessern und Stress reduzieren.
Vagusnerv stimulieren:
• Meditation, Yoga, Tai Chi, Qi Gong
• Atemübungen
• Summen, Mantra OM
• Singen der Vokale a,o,u,e,i aus dem Kehlkopf (der Vagus verläuft entlang der Stimmbänder)
• Gurgeln
• Kneippanwendungen, Kältereize
• Massagen wie Kopfmassage oder sanfte Streichmassage des seitlichen Halses von den Ohren bis zur Schulter oder mit den Zeigefingern hinter den Ohren massieren
• Mit den Fingerkuppen den Bereich hinter den Ohren klopfen
• Kaltes Wasser ins Gesicht bzw. Stirn, Augen, Wangen in kaltes Wasser tauchen oder mit einem Eiswürfel massieren, wahlweise auch einen kalten Waschlappen aufs Gesicht oder in den Nacken legen
• Waldbaden – Augen schließen, Waldgeräusche bzw. die Stille bewußt genießen, Gerüche wahrnehmen usw.
• Barfußgehen, Tautreten
• Kopfdrehen: geradeaus schauen, Kopf langsam und bewußt nach links drehen – zurück zur Mitte – nach rechts drehen, solange wiederholen bis der Atem ruhig und tief wird
• Augenübungen: ohne den Kopf mitzudrehen. Nach rechts, Mitte, links, nach oben, unten, diagonal
• Akupunktur, Akupressur
💁🏼♀️ Neben den Stimmübungen ist mein persönlicher Favorit die Arbeit mit der Stimmgabel an bestimmten Punkten entlang des Vagusnervs, aber auch über Akupunkturpunkte, wobei man die Meridianlehre mit einbeziehen kann. Die Beste Entspannung erfährt man hierbei im Liegen und wenn man sich behandeln läßt. Ich benutze dazu eine Stimmgabel mit der Erdfrequenz 136,10 Hz.