Hashimoto, Mastzellen und Histaminintoleranz
Wenn deine Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, betrifft das nicht nur ein kleines Organ im Hals — es betrifft dich als ganzen Menschen. Die Beschwerden wirken oft unzusammenhängend und diffus. Vielleicht fühlst du dich müde, frierst ständig oder schwitzt ohne Grund, nimmst zu oder ab, kämpfst mit Haarausfall, Konzentrationsproblemen oder gedrückter Stimmung. Deine Symptome wechseln und sind nicht immer eindeutig zuzuordnen. Doch es gibt heute viele Erkenntnisse und Ansätze, mit denen du deine Schilddrüse und dein Immunsystem gezielt unterstützen kannst. In diesem Beitrag zeigen wir dir, was bei Hashimoto im Körper passiert und wie du natürlich gegensteuern kannst.
Deine Schilddrüse – klein, aber enorm wichtig
Deine Schilddrüse ist nur etwa walnussgroß und wiegt gerade einmal 10–20 Gramm. Trotzdem ist sie eine der wichtigsten hormonellen Schaltzentralen deines Körpers. Sie produziert die beiden Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Diese Hormone wirken wie ein innerer Taktgeber.
Sie beeinflussen unter anderem:
- dein Herz-Kreislauf-System (Puls, Blutdruck, Gefäßweite)
- deinen Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel
- deine Verdauung und deinen Appetit
- dein Wärme- und Kälteempfinden
- deine Muskelkraft
- deine Insulinproduktion und Cholesterinwerte
- deine Stimmung und dein psychisches Gleichgewicht
- Libido und Fruchtbarkeit
- sogar Wachstum und Entwicklung im Mutterleib
Du siehst: Wenn hier etwas aus dem Takt gerät, kann sich das in ganz unterschiedlichen Bereichen zeigen.
Was bei Hashimoto in deinem Körper passiert
Bei Hashimoto greift dein Immunsystem die eigene Schilddrüse an. Es entsteht eine chronische Entzündung. Dieser Prozess verläuft in Schüben. Gerade zu Beginn oder während eines Schubs kann es sogar vorübergehend zu Symptomen einer Überfunktion kommen, weil durch die Zerstörung von Schilddrüsengewebe gespeicherte Hormone ins Blut gelangen. Langfristig wird jedoch funktionsfähiges Gewebe durch narbiges Gewebe ersetzt. Deine Schilddrüse schrumpft — und es entsteht meist eine Unterfunktion.
Warum Hashimoto entsteht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es scheint vielmehr so zu sein, dass mehrere Faktoren zusammenwirken und den Autoimmunprozess begünstigen. Eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen, ebenso wie chronische Infektionen oder mikrobielle Dysbiosen (z.B. Epstein-Barr-Virus, eine Überwucherung mit Candida albicans), die das Immunsystem dauerhaft fordern. Auch entzündungsfördernde Prozesse im Körper können das Gleichgewicht stören und die Abwehr in eine ungünstige Richtung lenken. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, eine gestörte Darmflora oder Toxine gelten ebenfalls als mögliche Mitverursacher. Darüber hinaus werden anhaltender psychischer Stress als belastende Faktoren diskutiert, die das Immunsystem zusätzlich aus dem Gleichgewicht bringen können. Hashimoto betrifft etwa 10 % der Bevölkerung, wobei Frauen bis zehnmal häufiger betroffen sind als Männer.
Symptome
Im Anfangsstadium kann es bei Hashimoto phasenweise zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Vielleicht spürst du innere Unruhe oder Nervosität, dein Herz schlägt schneller oder stolpert regelrecht. Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen oder Nachtschweiß können auftreten. Auch Verdauungsprobleme und Gewichtsabnahme trotz guten Appetits sind möglich. Manche Betroffene erleben Ungeduld, Reizbarkeit, Zyklusstörungen oder Hitzewallungen.
Langfristig dominiert oft die Schilddrüsenunterfunktion. Du fühlst dich antriebslos, erschöpft und ständig müde, selbst mit erhöhtem Schlafbedarf. Die Stimmung kann gedrückt sein, bis hin zu depressiven Verstimmungen. Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, ein langsamer Puls sowie Gewichtszunahme trotz geringer Nahrungsmenge sind typisch. Häufig zeigen sich zudem erhöhter Cholesterinspiegel, Verstopfung, Blähungen oder Reizdarmbeschwerden. Viele Betroffene frieren schnell, leiden unter Infektanfälligkeit, Haarausfall, brüchigen Nägeln oder trockener, rissiger Haut. Auch Muskelschmerzen, Menstruationsbeschwerden, unerfüllter Kinderwunsch, Libidoverlust und Wassereinlagerungen können auftreten. Diese schwankenden Symptome machen Hashimoto so vielschichtig – und manchmal schwer greifbar.
Warum eine gründliche Diagnostik so wichtig ist
Vielleicht kennst du es: Es wird nur der TSH-Wert bestimmt — und alles scheint „in der Norm“ zu sein. Doch gerade bei Hashimoto reicht dieser Wert allein nicht aus.
Wichtig sind zusätzlich:
- fT3 (freies T3)
- fT4 (freies T4)
- TPO-Antikörper
- TG-Antikörper
TPO-Antikörper sind bei etwa 90–95 % der Betroffenen positiv, TG-Antikörper bei 50–80 %. Auch der Referenzbereich des TSH-Wertes wird kritisch diskutiert. Während Labore oft bis 4,0 mU/l als „normal“ angeben, sehen viele Fachleute Werte über 2,5–3,0 mU/l bereits kritisch. Zusätzlich können Ultraschall oder Szintigramm helfen, Veränderungen der Schilddrüsenstruktur sichtbar zu machen.
Entzündungshemmende Ernährung – dein Schutzschild
Jeder Hashimoto-Schub bedeutet oxidativen Stress für deinen Körper. Deshalb ist es wichtig, ein entzündungshemmendes Milieu zu fördern. Besonders hilfreich sind:
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Omega-3-Fettsäuren
sie wirken entzündungshemmend. Eine gute histaminarme Quelle ist zum Beispiel Leinöl. Omega-6-reiche, industriell verarbeitete Pflanzenöle solltest du dagegen möglichst reduzieren.
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Antioxidantienreiche Lebensmittel.
Sie helfen, freie Radikale abzufangen. Du findest sie zum Beispiel in Beeren, Granatäpfeln, Blattgrün, Sprossen.
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Bei Hashimoto zeigt sich häufig eine gestörte Darmflora.
Eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut („Leaky Gut“) kann dazu führen, dass unverdaute Nahrungsbestandteile ins Blut gelangen und dein Immunsystem weiter aktivieren. Gluten gehört zu den Faktoren, die die Darmdurchlässigkeit erhöhen könnten. Deshalb profitieren manche Betroffene davon, Gluten zumindest testweise eine Weile zu meiden.
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Zuckerund Weißmehlprodukte deutlich reduzieren und industriell verarbeitete Lebensmittel möglichst zu meiden.
Auch Alkohol und Koffein können deinen Körper zusätzlich belasten. Omega-6-reiche Fette sowie eine Belastung durch Schwermetalle wirken ebenfalls ungünstig auf das entzündliche Geschehen. Dort, wo es möglich ist, solltest du Antibiotika oder Schmerzmittel vermeiden, da sie die Darmflora beeinträchtigen können. Und nicht zuletzt spielt psychischer Stress eine große Rolle – je besser es dir gelingt, innere Anspannung zu reduzieren, desto mehr entlastest du dein gesamtes System.
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Für deinen Darm können Probiotika und Präbiotika hilfreich sein
Auch Vitamin D spielt eine wichtige Rolle für dein Immunsystem. Thiamin (Vitamin B1) kann dich bei Müdigkeit unterstützen und die Verdauung fördern. Glutamin hilft dabei, die Darmschleimhaut zu regenerieren. Sinnvoll ist natürlich auch, problematische Lebensmittel für einige Wochen wegzulassen und später wieder einzuführen, um zu beobachten, wie dein Körper darauf reagiert.
Wichtige Nährstoffe für deine Schilddrüse
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Selen
unterstützt die Umwandlung von T4 in T3. Studien zeigen, dass Selen die TPO-Antikörper senken kann.
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Zink
ist wichtig für die T3-Bildung. Bei Hashimoto besteht häufig ein Mangel.
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Eisen
ist Bestandteil des Enzyms Thyreoperoxidase (TPO). Ohne ausreichendes Eisen funktioniert die Hormonbildung nicht optimal.
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Vitamin A
beeinflusst die Rückkopplung der Schilddrüsenhormone auf TSH.
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Jod
ist für deine Schilddrüse lebenswichtig – doch bei Hashimoto ist die richtige Dosis entscheidend. Während ein massiver Jodmangel eine Unterfunktion begünstigen könnte, kann eine übermäßige Jodzufuhr (insbesondere in Form von Supplementen) bei Hashimoto die Entzündung und die Autoimmunreaktion verstärken. Eine moderate, natürliche Jodzufuhr über die Ernährung ist meist ausreichend, und eine gezielte Jod-Supplementierung sollte nur nach Rücksprache mit einem erfahrenen Arzt erfolgen.
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Schilddrüsenhormone
Viele Betroffene fühlen sich unter einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen deutlich besser. Sie können helfen, Symptome rasch zu lindern und weiteren Schaden zu vermeiden. Meist wird L-Thyroxin (T4) verordnet. Es handelt sich um ein Prohormon, das dein Körper in T3 umwandeln muss. Manche Patienten sprechen besser auf natürliche Schilddrüsenextrakte an, die T4 und T3 im Verhältnis 4:1 enthalten. Bei erhöhtem TSH und entsprechender Symptomatik kann eine Hormontherapie sinnvoll sein.
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Stressachse und hormonelles Gleichgewicht
Deine Schilddrüse arbeitet eng mit Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren zusammen — der sogenannten Stressachse. Dauerhafter Stress kann dieses System belasten und Autoimmunprozesse fördern. Deshalb ist Stressreduktion so wichtig bei deiner Hashimoto-Strategie. Mehr zu dem Thema Stress erfährst du hier: histaminikus.de/blogs/blog/stress-histamin-trigger
Hashimoto, Histaminintoleranz und Mastzellen: Eine mögliche Verbindung
Im komplexen Zusammenspiel von Immunsystem und Stoffwechsel bei Hashimoto treten immer wieder Phänomene auf, die zunächst unzusammenhängend erscheinen mögen. Eine mögliche, oft übersehene Verbindung besteht zwischen Hashimoto, einer Histaminintoleranz (HIT) und der Aktivierung von Mastzellen.
Was ist Histamin und die Histaminintoleranz?
Histamin ist ein Botenstoff, der natürlicherweise im Körper vorkommt und an vielen Prozessen beteiligt ist – von der Immunabwehr über die Magensäureproduktion bis hin zu Nervenfunktionen. Es ist auch in vielen Lebensmitteln enthalten (z.B. gereifter Käse, Rotwein, fermentierte Produkte). Bei einer Histaminintoleranz ist der Körper nicht in der Lage, Histamin ausreichend abzubauen, meist aufgrund eines Mangels oder einer verminderten Aktivität des Enzyms Diaminoxidase (DAO). Dies führt zu einem Überschuss an Histamin, der Symptome wie Kopfschmerzen, Hautausschläge, Verdauungsprobleme, Herzrasen oder Atemwegsbeschwerden auslösen kann.
Die Rolle der Mastzellen
Mastzellen sind Immunzellen, die im gesamten Körper, insbesondere in Geweben, die mit der Außenwelt in Kontakt stehen (Haut, Darm, Lunge), vorkommen. Sie spielen eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen, indem sie Histamin und andere Botenstoffe (Mediatoren) freisetzen. Bei Menschen mit einer Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) sind diese Zellen übermäßig aktiv und setzen unkontrolliert Mediatoren frei, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann, die oft denen einer Histaminintoleranz ähneln oder diese sogar verstärken.
Wie hängen Hashimoto, Histaminintoleranz und Mastzellen zusammen?
Es gibt mehrere Hypothesen, wie diese drei Zustände miteinander verknüpft sein könnten:
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Autoimmunprozesseund Entzündungen
Bei Hashimoto liegt eine chronische Entzündung vor. Diese Entzündung kann Mastzellen aktivieren und dazu führen, dass sie mehr Histamin freisetzen. Ein erhöhter Histaminspiegel kann wiederum die Entzündung weiter anheizen und somit einen Teufelskreis bilden.
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Darmgesundheit
Eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut), die bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto häufig vorkommt, kann die Aufnahme von Histamin aus der Nahrung begünstigen und die Enzymaktivität der DAO beeinträchtigen. Gleichzeitig können Entzündungen im Darm die dort ansässigen Mastzellen aktivieren.
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Stress und Nervensystem
Stress ist ein bekannter Trigger für Hashimoto und kann auch Mastzellen aktivieren sowie die Histaminfreisetzung erhöhen. Das autonome Nervensystem, das eng mit dem Immunsystem verbunden ist, spielt hier eine wichtige Rolle.
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Schilddrüsenhormoneund Histaminabbau
Es gibt Hinweise darauf, dass Schilddrüsenhormone den Histaminabbau beeinflussen können. Eine Schilddrüsenunterfunktion, wie sie oft bei Hashimoto auftritt, könnte den Histaminabbau verlangsamen und somit eine Histaminintoleranz begünstigen oder verschlimmern.
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Genetische Prädisposition
Es wird diskutiert, ob es gemeinsame genetische Prädispositionen gibt, die die Anfälligkeit für Autoimmunerkrankungen, Histaminintoleranz und MCAS erhöhen.
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Was bedeutet das für dich?
Wenn du bei Hashimoto zusätzlich Symptome einer Histaminintoleranz oder des Mastzellaktivierungssyndroms bemerkst, ist es wichtig, dies mit deinem Arzt oder Therapeuten zu besprechen. Eine histaminarme Ernährung kann testweise Linderung verschaffen. Maßnahmen zur Reduzierung von Entzündungen, Verbesserung der Darmgesundheit und Stressmanagement sind auch hier essenziell und können sich positiv auf alle drei Bereiche auswirken.
Hashimoto ist komplex — aber du bist nicht hilflos. Mit Wissen, Geduld und einem ganzheitlichen Ansatz kannst du viel dazu beitragen, deine Symptome zu lindern und deine Lebensqualität deutlich zu verbessern.
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Quellen
- Fachzeitschrift Natur und Heilen 6/2020
VON BETROFFENEN FÜR BETROFFENE
Wir sind Thomas und Michaela Zinser, Gründer von Histaminikus.
Aufgrund der eigenen Histaminintoleranz von Michaela und unserem Sohn haben wir Histaminikus gegründet. Der Frust keine geeigneten histaminarmen Lebensmittel zu finden, hat uns angespornt, selbst histaminarme Lebensmittel zu entwickeln.
Wir möchten euch damit wieder ein Stück Lebensqualität zurückgeben. Schaut euch gerne bei uns um.
Herzliche Grüße
Thomas und Michaela