Migräne, ein Symptom der Histaminintoleranz

zurück zur Blogübersicht

Laut der deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft leidet fast jeder 10. Erwachsene an Migräne. Frauen sind dabei mehr betroffen als Männer. Aber auch Kinder leiden zunehmend mehr an Kopfschmerzen und Migräne. Eine Migräne kann Betroffene oft für mehrere Tage schachmatt legen. Sie beginnt mit halbseitigen Schmerzen, die Kopf, Gesicht und Kiefer betreffen können. Der Schmerz kann stechend, pulsierend und/oder pochend sein. Oft ist er mit Übelkeit sowie Geräusch- und Lichtempfindlichkeit verbunden.

Bei ca. einem Drittel der Betroffenen geht die Migräne mit einer sog. Aura einher. Unter einer Aura werden neurologische Störungen wie Flimmern oder Blitzen vor den Augen, Lähmungen oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen und auch Sprachstörungen verstanden. Bei Kindern äußert sich eine Migräne meistens eher als beidseitiger Kopfschmerz, der sich vor allem auf die Stirn konzentriert. Vegetative Symptome wie Kreislaufschwäche, Müdigkeit und auch Appetitlosigkeit sind zudem häufige Begleiterscheinungen. Migräneanfälle treten oft periodisch auf und können 4 bis 72 Stunden andauern.

Ursachen von Migräneanfällen

1. histaminreiche Ernährung / DAO-Mangel

Histaminreiche bzw. histaminfreisetzende  Lebensmittel wie Rotwein, Schokolade, Käse, Bananen, Erdbeeren, usw. können Migräneanfälle auslösen. Histamin stellt laut verschiedenen Studien einen ziemlich gesicherten Auslöser für Migräneanfällen dar. Ausgelöst werden die Anfälle durch einen H1-Rezeptor-Mechanismus, der wahrscheinlich extrazerebral (außerhalb des Gehirns) wirkt. (1) Die Forschungen hierzu müssen aber noch vertieft werden, um hierzu genauere Aussagen zu treffen. Eine weitere Studie aus Spanien (2) hat zudem gezeigt, dass durch eine strikte histaminarme Diät in Verbindung mit der Einnahme des Enzyms DAO vor einer Mahlzeit bei rund 80% der Studienteilnehmer die Migräne deutlich vermindert werden konnten. Der Studienleiter Dr. Juan Izquierdo stellte weiterhin fest, dass chronische Migräne Patienten, die zudem auch unter Magen-Darm-Beschwerden leiden, häufig einen DAO-Mangel aufweisen. Das Enzym DAO ist im Dünndarm für den Abbau von Histamin verantwortlich. Ein Mangel an DAO kann zu histaminbedingten Symptomen wie auch die Migräne führen.


2. Serotoninmangel

Mittlerweile gilt es als gesichert, dass es bei einem Migräneanfall zu einem Serotoninmangel kommt. Serotonin ist ein Neurotransmitter im ZNS und wirkt unter anderem auf die Magen-Darm-Tätigkeit, das Herz-Kreislauf-System und trägt ebenso zur Blutgerinnung bei. Bei einem Migräneanfall produzieren die Nervenzellen eine Überdosis von Botenstoffen, u.a. auch Serotonin. Ein erhöhter Serotoninspiegel führt nun dazu, dass sich die Adern im Gehirn verengen und Entzündungsprozesse gehemmt werden. Als Reaktion darauf, baut der Körper nun Serotonin in großen Mengen wieder ab, so dass es zu einem Mangel kommt. Die Hirnhautgefäße weiten sich also und werden so durchlässig für gewebsfeindliche Stoffe. Somit entstehen kleine Entzündungen im Gehirn, die den typisch pochenden Kopfschmerz bei Migräne verursachen. Aber auch die Begleitsymptome wie Müdigkeit, Gereiztheit und ein gesteigertes Schmerzempfinden sind typische Symptome eines Serotoninmangels. Im Übrigen kann man das Glückshormon Serotonin (zumindest in seiner Vorstufe Tryptophan) auch essen: Tryptophan ist in Nüssen, Vollkorngetreide und Eigelb vorhanden. Auch die Versorgung mit Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin B6 und B12 sorgen für einen ausgeglichenen Serotoninspiegel. (3)


3. Mangel an Magnesium

Auch ein Magnesiummangel kann ein Auslöser für Migräne sein. In Studien wurde gezeigt, dass eine Magnesiumzufuhr von 500-600 mg pro Tag eine präventive Wirkung hat. Die Migräne trat weniger auf und auch die Schmerzempfindlichkeit ging zurück. (4) Gerade bei Kindern zwischen 5 und 16 Jahren zeigte sich die schützende Wirkung von Magnesium am stärksten. Magnesium kann als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden oder auch über die Nahrung zugeführt werden. Es ist vor allem in Gemüse, Früchten, Nüssen, Samen, Kürbiskernen, Amaranth, Quinoa, Mandeln und Trockenfrüchten beinhaltet.


4. Mangel an Q10

Q10 scheint auch eine tragende Rolle für die Gefäßaktivität und die Energiebereitstellung der Zellen in Zusammenhang mit einer Migräne zu spielen. Betroffene leiden häufiger an einem Q10 Mangel. Eine Gabe von 200 mg Q10 täglich, hat sich in der Praxis als positiv bewährt.


5. Überschuss an Noradrenalin

Es wurden erhöhte Noradrenalin Werte kurz vor einer Migräneattacke festgestellt. Noradrenalin ist ebenfalls ein Neurotransmitter im Nervensystem, der die Bereitstellung von Energie im Körper anregt und die Reaktionskette der Stresshormone steuert. (5) Noradrenalin wird im Körper bei Stress, Flüssigkeitsmangel und bei Schwankungen im Blutzuckerspiegel ausgeschüttet. Dadurch können Migräneanfälle getriggert werden.


6. Hormonelle Störungen

Oft leiden Frauen vor ihrer Periode an Migränebeschwerden. Hier spielen die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen eine entscheidende Rolle. Interessant zu wissen ist, dass die Konzentration von Serotonin im Blut mit dem weiblichen Zyklus schwankt, da Östrogen den Serotoninspiegel beeinflusst. Sinkt der Östrogenspiegel ab, dann verändert sich ebenso der Serotoninspiegel. Diese Schwankungen können auch zu Migräneanfällen führen. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die weiblichen Geschlechtshormone die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn beeinflussen. Ein Sonderfall stellt hier die menstruelle Migräne dar. Sie tritt bei etwa 7% aller Migränepatientinnen auf  und zwar zwischen zwei Tage vor bis zwei Tage nach Einsetzen der Regelblutung. (6) Insbesondere ein Progesteronmangel scheint in den Tagen vor dem Einsetzen der Regel eine zyklusbedingte Migräne zu begünstigen. Am besten führt man hier einen Speicheltest durch, um hormonelle Dysbalancen festzustellen. Genauso sollte auch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgeschlossen werden. Diese kann Kopfschmerzen in unterschiedlicher Ausprägung mit sich bringen.


7. Starke Blutzuckerschwankungen

Neuere Studien zeigen, dass der Zuckerstoffwechsel eine tragende Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen kann. (7) In den Studien wurden Zusammenhänge zwischen einer Insulinresistenz, hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln sowie der Migräne festgestellt. Besonders starke Blutzuckerschwankungen nach dem Essen können daher Migräneanfälle auslösen. Jegliche Maßnahmen, die den Blutzuckerspiegel stabilisieren, sollten daher in der Therapie berücksichtigt werden. Feste Essenszeiten und eine regelmäßige Nahrungsaufnahme sind daher ratsam.  Eine weitere Studie hat ebenfalls gezeigt, dass eine niedrig-glykämische Ernährungsweise Migräneanfälle vorbeugend verhindern kann. (8) Der glykämische Index / die glykämische Last beschreiben beide die Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Bei der glykämischen Last wird im Gegensatz zum glykämischen Index noch der Wassergehalt des Lebensmittel berücksichtigt, weshalb die glykämische Last für die Anwendung in der Praxis tauglicher ist.

Weitere Migränetrigger

Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind immer individuell und oft sehr unterschiedlich. Im Folgenden sollen deshalb nur einige Trigger aufgezählt werden:

  • Stress- und Angstzustände
  • Erschöpfung und Überarbeitung
  • Intensives Licht, starke Gerüche, Wetterwechsel,
  • Schlafmangel, Abweichungen vom Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Medikamente (wie hormonelle Verhütungsmittel, Indometacin, Reserpin, Nifedipin)
  • Fehlstellungen der Halswirbelsäule
  • Verstecke Entzündungsherde im Bereich von Kopf und Kiefer
  • Zahnherde
  • Leber- oder Gallenblasenschwäche
  • Störungen der Darmflora (Pilze, Leaky-Gut-Syndrom)
  • Mangel an Vitaminen und Mineralen
  • Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Glutamatunverträglichkeit
  • Hoher Koffein- oder Alkoholkonsum

Michaela‘s Geschichte und ihr Notfallplan

Hi, ich bin Michaela – die Gründerin von Histaminikus.
Ich habe viele Jahre unter heftigen Migräneattacken gelitten. Meine individuellen Ursachen waren hormonelle Dysbalancen durch die Einnahme der Pille, die Überlastung der Leber, Schlafmangel, enorme Stress-Situationen sowie stark histamintriggernde Nahrungsmittel wie Schokolade, Bananen oder Erdbeeren. Damals wusste ich dies allerdings noch nicht und konnte mir die Ursachen natürlich nicht erklären. Auch die Ärzte konnten mir nicht weiterhelfen, außer dass man mich mit Beta-Blockern versorgte, die allerdings auch nicht das gewünschte Ergebnis erzielten.

Im Grunde genommen half überhaupt nichts, wenn sich eine Migräneattacke ankündigte. Die meisten meiner Migräneanfälle kamen direkt vor Einsetzen meiner Regel, in extremen Stresssituationen oder wenn mein Schlafrhythmus durcheinander war. Eigentlich immer genau dann, wenn man sie überhaupt nicht gebrauchen konnte. Die Anfälle liefen immer gleich ab: Zuerst bekam ich ein Flackern vor dem rechten oder linken Auge, das sich letzten Endes in so starke Sehstörungen ausweitete, dass mein halbes Gesichtsfeld eingeschränkt war. Autofahren war dann nicht mehr möglich, das hieß also für mich, dass ich sofort bei den ersten Anzeichen nach Hause gelangen musste. Auch Sprach- und Orientierungsstörungen waren manchmal Begleiterscheinungen, so dass ich auch schon einmal gegen eine Tür gelaufen bin bzw. keine zusammenhängende Sätze mehr reden konnte. Mein Gehirn war dann komplett blockiert. Die Aura wurde dann von heftigen einseitigen (meistens über dem rechten Auge) Kopfschmerzen abgelöst und ich lag 1-2 Tage damit flach. Jegliche Art von Schmerzmitteln haben nicht geholfen. Nur das Liegen in einem abgedunkelten, ruhigen Raum brachte etwas Erleichterung, währenddessen ich darauf wartete, dass der Schmerz endlich nachließ und die Aura-Beschwerden verschwanden.

Ein Migräneanfall war furchtbar und oft auch angsteinflößend für mich. Vor allem die Symptome der Aura haben in mir häufig Panik ausgelöst. Nach der Migräneattacke habe ich meistens noch 2-3 Tage benötigt, um wieder richtig klar sehen zu können. Erst als ich die Diagnose Histaminintoleranz erhalten habe, wusste ich, was die Zusammenhänge waren und was ich dagegen tun konnte. Eine strenge histaminarme Ernährung, das Absetzen der Pille sowie Stressreduktion haben mir geholfen, meine Migräneattacken in den Griff zu bekommen. Heute leide ich nur noch extrem selten unter Migräneattacken.

Mein Notfallplan:

Sollte doch noch eine Migräneattacke auftreten, dann tue ich Folgendes. In meinem Fall sind danach sofort die Aura-Beschwerden weg und die Kopfschmerzen deutlich geringer. Sogar so gering, dass ich am gleichen Tag wieder die Arbeit vor dem PC aufnehmen kann. Damals hat eine vollständige Regeneration ca. 4 Tage gedauert. Jetzt dauert sie nur noch 3-4 Stunden.

Hier kommt mein Notfallplan, sobald die ersten Symptome auftreten:

  • Ich nehme direkt 2 Basics (Quercetin, Calcium und Magnesium, Vitamin C) ein.
  • Danach mache ich einen hohen Einlauf mit ca. 1 Liter lauwarmen Wasser. Das führt dazu, dass die Aura-Symptome sofort verschwinden. Hier hilft mir wirklich nichts anderes als der Einlauf, da er meine Leber und meinen Darm direkt entlastet.
  • eine Stunde nach dem Basics nehme ich eine HistaVit³ (Vitamin C, B6) ein.
  • Danach lege ich mich in mein abgedunkeltes Schlafzimmer, schließe die Augen und höre ganz sanfte Entspannungsmusik. Ich entspanne mich und atme ganz tief und ruhig und konzentriere mich darauf, ohne Migränebeschwerden zu sein. Aber nicht auf krampfhafte Art, sondern ganz ruhig und entspannt.
  • Zwischendurch trinke ich immer wieder Wasser.
  • Nach 2-3 Stunden geht es mir wieder so gut, dass ich wieder fit bin.

Vielleicht kann dir mein Notfallplan ja genauso gut helfen wie mir. Letzten Endes war in meinem Fall Stressvermeidung und eine histaminarme Ernährung das A und O, um Migräneattacken auf ein absolutes Minimum (1-2 x pro Jahr, wenn überhaupt) zu reduzieren.

Weitere Hausmittel und Therapieansätze bei Migräne

  • Pfefferminzöl (ein paar Tropfen auf die Stirn)
  • Lavendelöl (ein paar Tropfen auf die Stirn zur Beruhigung)
  • Hoher Einlauf (gegen die Aura und zur Entlastung der Leber)
  • Melissentee (bei Stress und Angst-bedingten Kopfschmerzen)
  • Einnahme von Magnesium
  • Stressmanagement, Entspannungsübungen, Yoga
  • Leichte Bewegung als Vorbeugung
  • Osteopathie, Dorn-Breuss-Therapie
  • Neuraltherapie
  • Nahrungsmitteltrigger und -unverträglichkeiten ausmachen
  • Histaminarme Ernährung