Kurzsteckbrief Biogene Amine:
Biogene Amine werden aus Aminosäuren gebildet und sind somit Stoffwechselprodukte, die in Pflanzen, Tieren und Menschen vorkommen. Zu den Biogenen Aminen gehören z.B. Histamin, Cadaverin, Putrescin und Tyramin. Sie spielen alle eine sehr wichtige Rolle im Körper des Menschen.Biogene Amine entstehen aber auch während der Lebensmittelverarbeitung, z.B. durch Fermentation oder beim Reifungsprozess sowie beim Verderb von Lebensmitteln. Sie werden daher auch als Indikatoren guter Lebensmittelqualität herangezogen. Je höher der Gehalt an biogenen Aminen in einem Lebensmittel ist, umso eher verdirbt das Lebensmittel und umso schlechter die Qualität. Unter Beteiligung von anderen Mikroorganismen (Bakterien) kann der Gehalt an biogenen Aminen weiterhin stark ansteigen.Besonders betroffen sind fermentierte und leicht verderbliche Lebensmittel wie Fisch, Käse, Fleisch, Wurst, Wein, Soja und Hefeextrakt. Über verschiedene Abbauwege im Körper werden die Substanzen beim gesunden Menschen schnell wieder eliminiert. Histamin wird z.B. durch das Enzym DAO in der Darmschleimhaut abgebaut. Die DAO hat aber eine Vorliebe für Putrescin und Cadaverin als für Histamin, d.h. dass immer zuerst die beiden vorerst genannten Amine abgebaut werden und der Histaminabbau verzögert wird. Das passiert z.B. bei gleichzeitigem Genuss von Rotwein und Käse. Hier kann man also auch mit der Kombination von Lebensmitteln den Histaminabbau beschleunigen oder eben verzögern. Biogene Amine lösen sich aber auch beim Kochen im Kochwasser, so dass sich die Konzentration im Lebensmitteln reduziert.
Bei histaminreichen Lebensmitteln unterscheidet man zwei Arten:
1. Lebensmittel, die selbst Histamin beinhalten sowie2. Lebensmittel, die körpereigenes Histamin freisetzen (sog. Histaminliberatoren).
Die Frage ist nun: Kann ich mein selbstgekochtes, eigentlich histaminarmes Gericht nochmals aufwärmen?
Biogene Amine - und somit auch Histamin - sind hitzestabil und überstehen übliche Garverfahren. Sie können daher durch das haushaltsübliche Kochen oder Einfrieren nicht zerstört werden. (Kleine Zusatzinfo: Bei Histamin wurde festgestellt, dass es erst nach einer 90-minütigen Erhitzung auf 116 °C zerstört wird.)Möchte man also Lebensmittel nochmals aufwärmen, muss man sie bekanntermaßen zwischen dem erstmaligen Kochen und dem Wiederaufwärmen lagern. Besonders eiweißhaltige Lebensmittel wie Milchprodukte, Fisch, Geflügel und Fleisch weisen einen besonders hohen Anteil der Aminosäure „Histidin“ auf und bilden im Laufe dieser Lagerung verstärkt Histamin. Die Wiedererwärmung dieser Lebensmittel ist im Falle einer Histaminintoleranz also besser zu vermeiden.Auch Lebensmittel, die von vornherein selbst viel Histamin beinhalten oder Histaminliberatoren sind (siehe oben), solltest du nicht wieder aufwärmen. Speisen ohne tierische Bestandteile, wie z.B. Kartoffeln und histaminarmes Gemüse sind hingegen deutlich besser aufwärmbar und werden gut vertragen, insofern die Speise nicht älter als 12 bis 24 Stunden ist und seit dem ersten Erhitzen im Kühlschrank gelagert wurde. Wie immer gilt: Probieren geht über Studieren.